Lehártheater

Bad Ischl
Fr. 06. November 2009

Thomas Mandel: Saxophone, Musikalische Leitung
Gerd Rahstorfer: Flügelhorn, Trompete
Wolfgang Bründlinger: E-Gitarre
Christian Wirth: 1. Violine
Marcus Wall: 2. Violine
Julian Gillesberger: Viola
Stephan Punderlitschek: Violoncello
Wolfram Derschmidt: Kontrabass
Marco Palewicz: Klavier, Synthesziser, DJing
Engelbert Gagl: Pauke, Schlagwerk
Erwin Drescher: Schlagzeug

Temporary Jazz Orchestra gastierte in Bad Ischl

Bruckner, zum Grooven gebracht

Thomas Mandel gab letzten Freitag mit seinem Temporary Jazz Orchestra ein Gastspiel im Lehártheater, wo er Bruckners Fünfte mit viel Jazz und Groove ins 21. Jahrhundert "übersetzte".

Gerade bei den "Klassik-Puristen" war sich mancher Kenner nicht sicher, ob die Melange aus Jazz, Rock-Elementen und Klassik, basierend auf der fünften Sinfonie Bruckners, goutiert werden würde, doch offenbar funktionierte es.
Musikalisch tat es dies auf jeden Fall: ;eister Bruckner groovte, dann und wann zirpte der Synthesizer, die Stromgitarre heulte auf, die Dynamik wechselte mitunter rasch von zart und leise zu groß und wuchtig, die Musiker waren sichtilich unangespannt, auch die Hoch-Konzentration des musikalischen Leiters Thomas Mandel schien nicht verzwickt. Zu Beginn bat er das Publikum, entgegen der teils strikten beifallsbekundungs-Gepflogenheiten in der Klassik, je nach Lust und Laune - auch zwischen den teilen der Sätze oder nach Soli - Beifall oder Missfallen zu bekunden, was dem Abend ebenso gut tat. Der Publikumszuspruch war angesichts einer Reihe von gleichzeitig stattfindenden "Konkurenzveranstaltungen" zufriedenstellend.
Das Konzert war eine Veranstaltung des Brucknerbunds mit Obmann Dr. Karl Schirl in Zusammenarbeit mit den Jazzfreunden.

Manfred Madlberger: Ischler Woche - 11. November 2009

Landesmusikschule - Bad Goisern

Do. 08.Oktober 2009

Makiko Hirabayashi: piano
Klavs Hovman: bass
Marilyn Mazur: drums, percussion

Makiko Hirabayashi Trio

Noch kaum jemals hat man japanische Jazz-Pianistin mit so delikater Anschlagskultur wie Makiko Hirabayaschi gehört. Die Jazzfreunde Bad Ischl baten die junge Dame in die neue Landesmusikschule Bad Goisern. Die in Tokio geborene und klassisch trainierte Pianistin ist sparsam in der Wahl der Töne. die sich filigran, wie träumend, in berührenden Harmonien verlieren. Trotzdem überraschen zuweilen nachhaltige Grooves der linken Hand. Sie ist keine Kamikaze-Schnellläuferin auf den Tasten, wenn sie ihre fröhlichen, tänzerischen Leitmotive anspielt und zur Improvisation freigibt. In Hirabayaschis Trio ist es vor allem Marilyn Mazur (Percussion), die mit leichter Hand über ihr Schlagarsenal streicht und so dem Farbspiel klare Lasuren aufsetzt.

Peter Baumann - Krone Zeitung, 11. Oktober 2009

Ein Jazzfreunde-Highlight 2009

Dei Jazzfreunde waren auf "Expositur": Das Konzert des Makiko Hirabayaschi Trios ging über die Bühne des Saals der neuen Goiserer Landesmusikschule

Einige treue Jazzfreunde aus Ischl hatten zunächst leichte Schwierigkeiten, die Musikschule zu finden, weswegen ein teil des Publikums sich verspätete. Sie wurden jedoch für ihre Um-Wege belohnt und bekamen ein exquisites, kurzweiliges, wohlklingendes Konzert zu hören, bei dem sich vor allem Percussionistin/Schlagzeugerin Marilyn Mazur in schönsten Sinn in den Vordergrund spielte. Die mehrfach preisgekrönte einstige Schlagwerkerin von Miles Davis und Wayne Shorter, Bassist Klavs Hovman sowie Pianistin/Namensgeberin Makiko Hirabayaschi ließen die verschiedensten musikalischen Einflüsse zu einem homogenen und doch abwechslungs- und spannungsreichem Ganzem zusammenfließen und sorgten so für eines der Highlights der diesjährigen Jazzfreunde-Saison, die am Freitag, 6. November, mit den Konzert von Thomas Mandel & Temporary Jazz Orchestra im Lehártheater ihren Abschluss findet.

Manfred Madlberger: Ischler Woche - 14. Oktober 2009

PKS - Villa Rothstein

Bad Ischl
Do. 13.August 2009

Gerald Preinfalk: reeds
Klaus Paier: accordeon, bandoneon

Kooperation mit den Salzkammergut-Festwochen

Blendendes Jazz-Duo
Kontrollierte Harmonie

Mit dem Akkordeonmeister Klaus Paier und gerald Preinfalk, einem tonangebenden Saxofonisten, brachten die Jazzfreunde Bad Ischl ein blendendes Duo zusammen. In der PKS-Villa haben sich da zwei Partner zu kammermusikalisch ausgefüftelten Improvisationen gefunden. Auf Sopransax und Klarinetten zart angespielte Töne reflektiert Paier mit uneingeschränkter Virtuosität und weit ausholender Emotionalität. Feines Wimmern gehört dazu wie aufbrausendes Orgelregister. Preinfalk und Paier vermittlen kontrollierten Formsinn. Kaum ist die Grenze zwischen notierten Vorgaben und improvisiertem Ablauf zu erkennen. Man bestaunt die Harmonie im stets stimmigen Kontrapunkt.

Peter Baumann - Krone Zeitung, 24. August 200

 

Stadttheater - Gmunden

Do. 06.August 2009

ORF-Aufnahme

Harry Tavitian: piano, percussion, wooden flutes, vocals
Edi neumann: tenor saxophone
Zsolt Meier: alto saxophone
Hanno Hoefer: guitar
Jimi El Lako: violin
Octavian Barila Andreescu: bass
Mario Florescu: drums, percussion

Kooperation mit den Salzkammergut-Festwochen

Furiose Reise um die Welt
Festwochen Gmunden: Harry Tavitian, Stadttheater Gmunden (6. 8.)

Es brauste und zischte ganz ordentlich, als der Orient Express des Harry Tavitian in Gmunden Station machte. Das Septett des rumänischen Pianisten begeisterte die Besucher im Stadttheater mit einem unterhaltsamen und abwechslungsreichen Programm.

Tavitian versucht sich in allen möglichen musikalischen Metiers, auch um der üblicherweise etwas monochromen Farbgebung der Balkanblues-Bands zu entkommen. Seine famosen Mitstreiter folgen dieser furiosen Reise um die Welt in 90 Minuten mühelos und mit großem Enthusiasmus.
Da klingen die leider etwas raren langsamen Stücke sowohl nach der Melancholie der anatolischen Steppe als auch nach dem trägen Blues der US-amerikanischen Südstaaten, da wird eine rumänische Hochzeit als überschäumende Burleske gezeichnet und nebenbei noch bei Dollar Brand in Kapstadt vorbeigeschaut. Sehr gut gelingen die Ausflüge ins freiere Spiel der musikalischen Kräfte, die hörbar machen, dass die Jazzgötter Thelonious Monk und Cecil Taylor zu den wesentlichen Bezugspunkten Tavitians gehören.

War vielleicht ein wenig viel, manches nur angerissen und nicht vollständig ausdiskutiert, aber insgesamt ein sehr angenehmer, leicht konsumierbarer Abend mit Tempo und Witz, der das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Christoph Haunschmid: Oberoesterreichische Nachrichten - 08. August 2009

Harry Tavitian und "ORIENT EXPRESS"
ON STAGE mit Wolfgang Schlag

Das neue Programm des Pianisten basiert auf rumänischer Folklore, weist aber auch Balkan-Einflüsse auf (aufgenommen im August im Stadttheater Gmunden)

 

PKS - Villa Rothstein

Bad Ischl
Mo. 27.Juli 2009

Thomas Gansch: Trompete, Stimme
Georg Breinschmid: Kontrabass, Stimme

Kooperation mit den Salzkammergut-Festwochen

Jazzige Konversationen

Zwei der profiliertesten Jazzer Österreichs, Trompeter Thomas Gansch und Bassist Georg Breinschmid, eröffneten die Sommer-Tour der Jazzfreunde Bad Ischl.
In der PKS-Villa animierten ihre frech-spitzbübischen, mit einer Portion Humor gewürzten Konversationen.

Die ursprünglich im Klassikbereich trainierten Musiker spielen, singen und pfeifen mit genialem Musikantentum eine Burleske aus Jazz und aberwitzuigen Kasperliaden. Zügigen Trompetenlinien mit überraschenden Zitaten aus dem globalen Musikzirkus gibt die erlesene Tongebung den Anstrich geistreicher Weisheit.

Peter Baumann - Krone Zeitung, 3. August 2009

Fullminante Show von Breinschmid & Gansch
Jazz & Humor: Es funktioniert

Zwei Virtuosen sorgten für einen Jazz-Abend, bei dem es mehr zu lachen gab, als in so manchem Kabarett: Trompeter Thomas Gansch und Kontrabassist Georg Breinschmid konzertierten am Montag in der PKS-Villa Rothstein.

Das Konzert war eine Kooperationsveranstaltung der Salzkammergut Festwochen mit den Jazzfreunden.
Angesichts mehrerer Parallel-Veranstaltungen war der Publikumszuspruch sehr erfreulich, ständig musste hausherr Jörg Schauberger neue Sessel aus dem Abstellraum holen.
Das herzerfrieschende Konzert brach mit jeder biererensten Jazz-Konvention. Gleich bei der ersten Nummer tütete im Publikum ein Handy, was trompeter Gansch prompt mit einem subtil eingeflochtenen Nokia-Klingelton quittierte.
Überhapt waren viele der Stücke mit kurz angespielten bakannten Melodien quer durch den Gemüsegarten (von "Es wird scho glei dumpa" über Falco bis zu Deep Prple) gespickt, wie man es hierzulande wohl nur von "Atz Sepp" zu hören bekommt.
"Schönberg beim Heuerigen" Auch dem Wiener Lied wurde Tribut gezollt. So präsentierten die beiden auf komplett verstimmtem Instrumentarium Georg breinschmids "Komisches Wienerlied" - John Cage statt Neujahrskonzert, Schönberg beim Heurigen.
Herzerwärmend böse und schön war auch die Interpretation von Gerhard Bronners "Alter Engelmacherin" für Kontrabass und zwei Stimmen.
Mit einer herrlichen Parodie hinterließen sie außerdem der zeitgenössischen Musik ein Häufchen im Hinterhof.
Auch die Operette bekommt ihr Fett ab. so wurde georg Breinschmid bei "Musette pour Elisabeth" zum "Lehár, der eine Überdosis Serafin genommen hat". Ihr beatles-Liebe taten sie mit ihrer Bearbeitung von "Can't buy me love" mit Russland-Schlagseite ("Ich bin ein Wahl-Russe von Lenin & McCarthy") kund. Zum Ende hin bearbeiteten die beiden noch eine niederösterreichische redensart (die jedoch an dieser Stelle nicht niedergeschrieben werden kann) und gaben dem Stück den englisch übersetzten Titel "I pee a hedgehog with long lasting waves".
Breinschmid und Gansch geben dem Genre jazz endlich den Humor und jene Fähigkeit zur Selbstironie zurück, die ihm so oft abgeht.

Manfred Madlberger: Ischler Woche - 29. Juli 2009