20.11.2003
Weinhaus Attwenger - Bad Ischl

Karlheinz Miklin: sax, fl, bcl
Ewald Oberleitner: b
Karlheinz Miklin jr.: drums

Zeitlosigkeit als Maßstab im Jazz
Das Karlheinz Miklin Trio feierte sein Jubiläum auch in Bad Ischl konzertant und kämpfte damit erfolgreich gegen die Vergänglichkeit an.
Das Weinhaus Attwenger in Bad Ischl hat auch schon (im positiven Sinne) viele Herbste gesehen. Daher war dies der passende Ort für ein ganz besonderes Jubiläum. Durch die unglaubliche Präsenz des Miklin Trios wurde aus dem zu feiernden 25 jährigen Trio Jubiläum darüber hinaus ein tolles Konzert. Während die alten Rock - Haudegen vom Schlage eines David Bowie gegen das "Altwerden" trendig anzukämpfen versuchen, scheinen Jazzer in ihrem bewusst nicht so kommerziellen Genre irgendwie würdevoller und damit erfolgreicher zu altern. Bei Miklin ist die Zeit, wie bei uns allen übrigens, nicht stehen geblieben. Spielen in seinem aktuellen Trio übrigens schon 2 Miklin-Generationen. Für Karlheinz Miklin jun. scheint es zumindest hinter den Schlagzeugfellen keinerlei Generationenproblem zu geben. Dazu ist die Musik von Miklin sen. auch viel zu unverbraucht und unbelastet. Er versteht selbst nach 25 Jahren seine Konzerte noch immer als Tour de Force. Er, der den Jazz studiert und an Legionen von Studenten in Graz erfolgreich weitergegeben hat, weiß natürlich um die Bedeutung der Musikvergangenheit. In seinem Programm am vergangenen Donnerstag testete er jedoch vieles fulminant auf seine Jazz-Gegenwartstauglichkeit ab. Langzeitbegleiter Ewald Oberleitner ist ihm seit Jahrzehnten am Bass eine unverzichtbare Rhythmusstütze. Alter bringt eben auch ein gehörig Maß an Verlässlichkeit mit sich. Erstaunlich ist es schon mit welcher Energie und welch hohem Maß an Virtuosität der Dreier das Set bewältigt. Daher war es auch nicht ein liebloses aneinander reihen von edlen Soli, sondern wie man so schön sagt, eine ganz solide Teamleistung. Klarerweise war vieles Mainstream - Jazz, aber die "Nebenflüsse" des großen Stroms waren zwingend. Latin Schmeicheleien trafen immer wieder auf Rock - Funk Akzente. Durch die fliegenden Wechsel zwischen dunklen, romantischen Jazzfarben und hell leuchtenden Uptempo Nummern entstand ein äußerst kurzweiliger Jazzabend. Kulinarische Musik-Feinkost, dezent angerichtet und flott serviert, im Restaurant Attwenger. Seltener passte etwas besser zusammen. Auf Altwerden haben in diesem Zusammenhang hoffentlich auch viele vergessen.
Roland Holzwarth - Bad Ischler Rundschau 26.11.2003 

  • KarlheinzMiklin_RolandHolzwarth

30.10.2003
Weinhaus Attwenger - Bad Ischl

Cuong Vu: tp (VN)
Stomu Takeishi: e-b (J)
Elliot Kavee: dms (USA)

Muskulöses Trompetenspiel von und mit Cuong Vu beim Attwenger
Der Trompeter aus den USA zeigt mit seinem Trio "Scratch" die weiten Horizonte des Instrumentes auf.
Und so ganz nebenbei hat er es im "ehrwürdigen" Attwenger mal so richtig knallen lassen. Während man in dieser gediegene Atmosphäre eher die weichen Töne in der Vergangenheit schätzen lernte, musste man am vergangenen Donnerstag schon fast zum Ohrschutz greifen, um dem Aufkommen eines Tinitus vorzubeugen. Und ich brauche meine Ohren noch, um auch in der Zukunft noch weiter so zukunftsweisendes Jazzspiel schätzen zu können. Noch vor 30 Jahren waren die USA und Vietnam unerbittliche Kriegsgegner. Heutzutage ist der in Vietnam geborene Cuong Vu der lebende Beweis, wie wichtig das Zusammenfließen der verschiedensten Kulturen wichtig ist. Lebt er doch mittlerweile seit Jahren in den USA und hat die amerikanische Jazzgeschichte und gleichzeitig die globalen Aspekte des Jazz mehr als Intus. Und er weiß in der Tat, wovon er spielt. Der junge Mann mit der großen Routine hat auf der Suche nach seiner "eigenen" Trompetenstimme so ziemlich viele Quellen und Einflüsse ausgereizt. Sein Quellenstudium reicht von der Dimension der Klassik bis zur ganzen Bandbreite der Elektronik. Er hat vollen Respekt für die Tradition und muss gleichzeitig neue Wege beschreiten. Das gibt ihm die Sicherheit, seine Trompete in der kraftvollen Art und Weise zu kolorieren. Die dunklen Töne stehen beim Konzert eher im Vordergrund. Cuong Vu spielt aber nicht nur Töne, er lässt elektronisch erzeugte Loops sich weiterentwickeln und umtänzelt gleichzeitig die daraus entstandenen Soundgebirge. Dabei hat er ins Attwenger kongeniale Partner mitgebracht. Stomu Takeishi und Elliot Kavee bereiten am Bass und an den Fellen die rhythmische Basis auf, die Cuong Vu für seine dunklen und lauten Trompetenexpeditionen so braucht. Genregrenzen kennt das Ensemble nicht. Häufig von Jazzern so akademisch pingelig gepflegte Abgrenzungen werden respektlos eingerissen. In all den eperimentierfreudigen Soundabenteuern verbirgt sich jedoch erstklassiges pulsierendes Musizieren. Auf meditatives Vorwärtsgleiten folgen unmittelbar Funk - Rock Beats von feinsten. Es hat phasenweise heftig gefunkt zwischen der gediegenen Holzverkleidung. Und der Funke sprang wie selbstverständlich auf das Publikum über. Langes Nachhallen der Musik inklusive.
Roland Holzwarth - Bad Ischler Rundschau 05.11.2003
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Talentiertes Konzept mit Widersprüchen
Cuong Vus "Scratch" in Bad Ischl
Ein junges Talent aus der New Yor- ker Jazz-Werkstatt stellte sich am Donnerstag im Weinhaus Attwenger in Bad Ischl vor. Trompeter Cuong Vu macht in seinem Trio "Scratch" eine Musik einfacher Tonschritte meist lyrischen Inhalts. Punktgenau intoniert der Vietnamese sein virtuoses Spiel. Mit der Motorik maschineller Präzision, die sich zum brachialen Sturm steigern kann, begleiten ihn Stomu Takeishi (E-Bass) und Joe Tomio (Schlagzeug). Ein Konzept, das in seinen Widersprüchen verblüfft. PB
© 03-11-01 by "KRONEN ZEITUNG"

  • CuongVu_1_RolandHolzwarth
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25.09.2003
PKS - Villa Rothstein, Bad Ischl

Johnny Schütten: piano (A)
David Gazarov: piano (AZ/D)
Markus Brandl: piano (A)
Clemens Vögler: piano (A)
Alexander Meik: bass (A)
Robert Kainar: drums (A)

Große Klavierspielereien in edlem Ambiente
Der Jazz-Abend der "88 Tasten" brachte die erwartete tolle Bestandsaufnahme des Pianospiels - und das in einem ganz tollen Konzertraum

Die Jazzfreunde scheinen neben dem "Attwenger" eine zweite ganz famose Konzert - zu finden. Im mit Edelholz soundtechnisch best ausgestatteten Konzertraum der ehrwürdigen PKS - Villa erstrahlten am vergangenen Donnerstag die Klavierakkorde auf dem "Bösendorfer" wie reine Soundperlen. Ganz tolle Akustik, wie wenn die Vorfahren des "Hausherrn" Jörg Schauberger, Viktor und Dipl.Ing. Walter Schauberger das so beabsichtigt hätten. An diesem Abend gastierten unter dem "Eibaum" 4 Pianisten und 2 Rhythmiker und servierten eine musikalische Zeitreise von den frühen 20iger Jahren bis in die große Ära des Bebop. Als Gastgeber konnte Pianist Johnny Schütten 2 Boogie Helden aus dem Salzkammergut, Clemens Vögler und Markus Brandl begrüßen. Als "Ehrengast" wurde der Pianist David Gazarov aus dem benachbarten München mit viel Applaus empfangen. Die beiden Rhythmiker Alex Meik am Kontrabass und Robert Kainar am Schlagzeug blieben den ganzen kurzweiligen Abend gleich und legten mit solidem Bass und Drum -Fundament den "roten Faden" durch die Welt des Boogie und Jazz Pianos. Clemens Vögler und Markus Brandl bestätigten mir ihren Sets den Ruf das Salzkammerguts als kleine Boogie Hochburg. Viele der von den beiden vorgetragenen Titeln entpuppten sich rasch als heiße Klavierstomper zwischen Boogie und Blues Tradition. Johnny Schütten, geboren in St. Wolfgang, pendelt mittlerweile zwischen dem Wolfgang See und dem New Yorker Hudson River hin und her. In seinem Part unmittelbar nach der Pause ebnet er mit seinem fulminanten und klassisch geschulten Pianospiel den Weg zum Jazzaspekt an diesem Abend. Der "Mann in Schwarz" präsentiert sich gut aufgelegt als Meister des Blues- und Stride - Pianos und konnte vor allem durch seine "coolen" Balladeninterpretationen überzeugen. Der ganz große Hammer an diesem Abend war für mich gänzlich unerwartet der Auftritt von David Gazarov. Bei jedem seiner Akkorde merkt man ihm die harte klassische Schule an. Perfektion auf allen Ebenen des Pianospiels ist die Folge. Er hat das Zeugs zum Piano - "Wizard", so fegt er mit großer Souveränität über die schwarz - weißen Tasten. Bei den vielen Standards zeigt er allerdings bei den "Mellow mood" Passagen die ganze Größe seines Könnens. Bei Klassikern wie "7 steps to Heaven" waren wir alle in der Rothstein Villa dem Jazz - Himmel schon ziemlich nahe. In Summe war es ein netter Piano Abend, bei dem die Schranken zwischen Boogie und Jazz rasch gefallen sind. Man konnte keine großen Modernisierer bei der Arbeit beobachten. Aber stattdessen große Bewahrer und Restaurateure des "alten Schätze".
Roland Holzwarth - Bad Ischler Rundschau 01.10.2003

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12.06.2003
PKS - Villa Rothstein, Bad Ischl

Enver Izmailov: g, voc (UZ)
Anatoly Vapirov: ss (RUS)
Kornel Horvath: perc (H)

Echos aus dem Osten - feiner Jazz unter der Ellipse
Das BLACK SEA TRIO zelebrierte in exklusivem Ambiente ein wunderbares Jazzkonzert mit den zahlreich erschienenen Fans dieser Musik.

Hausherr Jörg Schausberger öffnet maximal 2 mal im Jahr auf Flehen der Jazzfreunde die PKS Villa für ein Jazz-Event. Am vergangenen Donnerstag war es wieder mal so weit. In diesem wirklich romantisch burgähnlichen Ambiente scheint aber auch in der Tat das ganz Besondere zu gedeihen. Die Jazzfreunde hatten das notwendige "feine Händchen", in diese traumhafte Raumumgebung auch die richtigen Musiker einzuladen. Und das BLACK SEA TRIO ist wie geschaffen für derartiges Exklusivitäten. Die Musik dieses Trio aus den Weiten des Schwarzmeerraumes schien für mich mit den Botschaften von Victor Keppler Schausberger, dem "enfant terrible" der Naturwissenschaft zu verschmelzen. Als er vor Jahrzehnten verbale Botschaften in den Konzertraum malen ließ, hat er vielleicht auch an die Kraft der guten Musik geglaubt und gedacht. "Rhythmus und Toleranz", "Harmonie und Disziplin = Evolution". Diese von mir entdeckten Inschriften beschreiben auf wundersame Art das, was vom BLACK SEA TRIO dargeboten wurde. Die Musik von diesem exzellenten Trio konnte sich unter der "Ellipse" an der Raumdecke und neben der Installation "der tönende Turm" so richtig ausbreiten und in die Ohren der Besucher eindringen. Und dort haben sie eine außerordentliche akustische Halbwertzeit entwickelt. Bei der hohen technischen Virtuosität von Saxophonisten Anatoly Vapirov (Bulgarien), Percussionisten Kornel Horvath (Ungarn) und dem Usbeken Enver Izmailov an der Gitarre kein Wunder. Viele der von diesem Trio eingesetzten instrumentellen Techniken waren mir neu: Dass man mit 10 Fingern so auf einer oder sogar auf 2 Gitarren(!!) spielen kann wie Enver Izmailov war vermutlich nicht nur mir neu. Darauf musste ich mehrere Jahrzehnte der Konzertbesuche warten - aber es hat sich gelohnt. Die einzigartige, rauschartige Musik der drei Musiker als "Ethno Jazz" kategorisieren zu wollen, wäre schon fast banal. Zu vielschichtig und fulminant kommt diese Musik über die Zuhörer. Wie auf einem ganz großen Fluss treibt man mit dem Dreier mit in Richtung echte Weltmusik. Die Klischees der osteuropäischen Musik wie ländliche Hirtenlieder oder Hochzeitsmusiken werden wenn überhaupt nur angedeutet. Die 3 Herren arbeiten längst an etwas ganz anderem - wie ich das bezeichnen soll? Ich weiß es einfach nicht! Jazz war es eigentlich auch nicht - aber geswingt hat es wie selten!
Roland Holzwarth - Bad Ischler Rundschau Nr. 25 / 18.06.2003
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Aus Usbekistan, Russland und Ungarn kommen die Musiker des "Black Sea"-Trios, das in Bad Ischl seinen Jazz präsentierte. Es sind keine Jazz-Melodien und -Harmonien westlichen Zuschnitts, die Enver Izmailov (Gitarren), Anatoly Vapirov (Sopransax) und Kornel Horvath (Percussion) mit Leidenschaft produzieren. Im abgewogenen Zusammenspiel treffen die Ethnien aufeinander.
PB © 2003-06-14 by "NEUE KRONEN ZEITUNG

  • BlackSeaTrio_RolandHolzwarth

09.04.2003
Lehar Filmtheater - Bad Ischl

Eine Veranstaltung der Werbe & Event GmbH in Zusammenarbeit mit Jazzfreunde Bad Ischl

  • MarlaGlenn_H_RolandHolzwarth

"Alle starrten mich an, als sei ich ein Wesen von einem anderen Stern", erinnert sich Marla Glen noch an ihre ersten öffentlichen Auftritte. - Im zarten Alten von 15 Jahren war es, im bekannten Chicagoer Club Kingston Mines. Als sie dort mit ihrer Mundharmonika zugange war, fragten nicht wenige, ob dies für eine junge Frau denn das Richtige ist. - Diese Frage beantwortet sich wohl gegenwärtig - auch in Anbetracht ihres enormen Erfolges - von selbst.
Fragen löst die 1960 geborene Künstlerin auch heute noch reichlich aus. Nicht zuletzt ihr spielerischer Umgang mit Geschlechterrollen sorgt regelmäßig für Irritation.
"Wer ein Leben wie das meine geführt hat, ist entweder tot oder ein Star. Ich habe mich für zweiteres entschieden." (Marla Glen).
Sie klingt als wären Muddy Waters, Nina Simone und Wilson Pickett gleichzeitig in sie gefahren. Ihre tiefe, rauhe und leidenschaftliche Stimme macht Marla Glen Mitte der 90er Jahre binnen kurzer Zeit zum Weltstar. Und auch in Deutschland - wo sie heute lebt - und Österreich genießt die Sängerin Kultstatus - nicht nur wegen ihres unverwechselbares Outfits: Hut, Anzug und Krawatte. Gewiss war der Anstoß für ihre Karriere ihr Song "This World", der im Kino- und TV-Spot eines großen Bekleidungsunternehmens eingespielt wurde.
Ihr erstes Album brachte Marla Glen 1993 heraus - "This is Marla Glen". Ihre bewegenden Songs zwischen Blues und jazzigem Soul leben von ihrer markanten, rauchigen Stimme und dem gezielten Einsatz der Mundharmonika. Ihr extravagantes und mitunter impulsives Auftreten bei Konzerten machen sie zudem unverwechselbar.
  • MarlaGlenn_BurkhardPutz