Weinhaus Attwenger, Bad Ischl
21.11.2001

Rob Burger: accordion, piano, pump organ, harmonica, marxophon
Carla Kihlstedt: violin, viola
Mark Orton: guitar, dobro and tenor banjo

Das Tin Hat Trio eine "Stubenmusi" von besonderem Zuschnitt

Federleichte Wehmut

So einen Applaus hat das Weinhaus Attwenger als Jazz-Location so schnell noch nicht erlebt.
Dazu braucht es einfach Leute wie Carla Kilstedt, Rob Burger und Mark Orton. Sie konstruieren mit Violine, Gitarre und Dobro und einem Akkordeon globale Klangwelten, deren Ursprungskoordinaten von Argentinien über den amerikanischen Süden bis in die europäischen Konzertsääle reichen.
Mit einer nonkonformistischen Instrumentierung machen die 3 Stilrabauken aus der kalifornische Bay Area rund um San Francisco einen schon fast jazzunüblichen Sound. Hemmunglos wildert der "Dreier" im Klangbestand von Nashville bis New York und vermengt dabei Blues, Bluegrass, Tango Nuevo und Klezmerelemente. Das ganze garnieren sie mit einer Brise Wiener Kaffeehausmusik, geradezu ideal abgestimmt auf das edle Ambiente des "Attwenger". Eine "Stub'n Musi" von ganz besonderem Zuschnitt und ein mutiges Programm auf der ganzen Linie für Mutige Leute. Die "Zinnhüte" servieren im Gastzimmer einen angenehmen Musikcocktail. Lustig und anspruchsvoll zugleich, avantgardistisch gewürzt und doch federleicht. Sehr süffig das Ganze, vor einer Überdosierung wird gewarnt. Sehr hippe Leute würden heutzutage diesen Musikansatz sehr gescheit als "Crossover" bezeichnen und etikettieren. Zu gut war die ganze Angelegenheit und so dicht wie ein Spinnwebengeflecht. Für die gut gelaunte Hörerschaft gab's fast kein Entkommen aus diesen Klangkaskaden. In den besten Passagen klingt das Ganze wie eine fiktive Filmmusik sagen wir mal von einem sehr guten amerikanischen Independent movie. Am Ende des Konzertes wollte der Beifall der mutigen und aufmerksamen Leute so schnell nicht enden. Es gab noch einige bejubelte Zugaben und die Gewißheit, daß es jenseits des Bepob tatsächlich noch Musikwelten gibt, bei denen es sich lohnt ganz genau aufzupassen.

Roland Holzwarth - Bad Ischler Rundschau 29.11.2001 

13.09.2001
Weinhaus Attwenger, Bad Ischl

Harry Sokal: Tenor, Sopransax
Georg Breinschmid: doublebass
Mario Gonzi: drums

Der Großmeister des österreichischen Saxophons gastierte in Bad Ischl

Melancholischer Jazz

Harry Sokal Das Trio um den Grossmeister des österreichischen Jazz - Saxofons gestalte im Ischler Weinhaus Attwenger am vergangenen Donnerstag gemeinsam mit den Besuchern einen schönen, und vor allem stimmungsvollen Abend auf der Suche nach der großen Emotion im Jazz. Sokal nennt sein Projekt "Roots ahead" und dabei hat er sich offensichtlich was gedacht. Denn er orientiert sich mit seinem Trio nach vorne indem er zurückblickt. Geht das überhaupt, bei Sokal funktioniert diese Chemie. Nach langer Karriere und Gastspielen in vielen internationale Ensembles hat Sokal jetzt sozusagen seinen musikalischen Heimathafen in Form dieses Trios gefunden. Mit seinen Begleitern Georg Breinschmid am Bass und Mario Gonzi an den Fellen legt er seine Jazz - Spuren. Folgt man diesen akustischen Fährten begibt man sich mit Sokal auf eine Wanderung in die Jazz - Geschichte bis zum Be-Bop, zum Funk, zu Latin Einflüssen und vor allem zu den Wurzeln der Jazz - Ballade. Aber die alten Geschichten werden von "Jazz Ahead" überarbeitet und sozusagen neu erzählt. Wie das halt in fast allen Genres der populären Musik im Moment so passiert.
Im Rahmen dieses Konzertes natürlich nicht neue Kapitel des Jazz aufgeschlagen, sondern man blättert lustvoll und gekonnt in den Jazz - History Büchern. Der Mann beweist einfach Klasse im Umgang mit der Jazz - Tradition. Jazz kann manchmal klingen wie ein langer, ruhiger Fluß, besonders an diesem Vor - Herbst Abend im Attwenger.
Sokal fließt sehr gekonnt mit im Strom des breiten Jazz - Mainstream und das vor allem viel Seele und noch mehr Gefühl. Wer diesem musikalischen "Rafting" von Sokal und seinen Leuten folgt, muß allerdings mit vielen "Stromschnellen" rechnen. Die Band agiert in diesem Zusammenhang nicht nur wie eine Einheit, sondern weiß auch die Visionen des Leaders kongenial umzusetzen. Besonders Mario Gonzi agiert als geschickter Time - Keeper, swingt elegant auf den Becken, donnert aber auch manchmal kräftig auf die Felle seines Schlagzeugs.
Meist kommen an diesem Abend die Töne warm und bedächtig daher. Vollmundig führt uns Sokal am Sax durch die Welt der Jazz - Balladen. Diese elegante, stimmungsvolle, manchmal auch bewußt melancholische Ausrichtung des Jazz wird ja in diesen Tagen von manch einem "Sampling" Artisten ausgegraben und als "chill out" oder "lounge music" zweitverwehrtet. Ich denke wir sollten doch lieber bei den Originalen bleiben, und dazu braucht man Musiker wie Harry Sokal.

Roland Holzwarth - Bad Ischler Rundschau 20.09.2001

  • HarrySokal_2001_RolandHolzwarth

...Saxophonist Harry Sokal lieferte mit seinem "Roots Ahead" - Trio bei den Jazzfreunden Bad Ischl eine glänzende Performance. Sokal bedient sich für sein zeitloses Spiel der Thematik des modernen Mainstream. Ein Konzert ohne den geringsten Leerlauf, ohne jeden Spannungsabfall.

Chris Thommark - Neue Kronen Zeitung 17.09.2001

American Music Festival
Bad Ischl
01. - 03.06.2001

Wohldosierte Emotionen

"American Music Festival" in Bad Ischl

"American Music Festival" hieß es am Wochenende in Bad Ischl. Der Country Circle Austria und die Jazzfreunde Bad Ischl hatten 20 Bands geladen. Nicolas Simion und Sigi Finkel waren Mittelpunkt des Jazzinteresses. Die beiden Saxophonisten hatten meist perfekt sekundierende, dabei eigenes beitragende Partner. Simion swingte im Weinhaus Attwenger und bot wohldosierte Emotionalität. Finkel plauderte im Stadttheater aus der Hard Bop Schule. CT

© 2001-06-05 by "NEUE KRONEN ZEITUNG"

Peter Lipa & Band (SK)
Peter Lipa: voc
Juraj Tatar: p
Marcel Buntaj: drums
Martin Gaspar: b
Michal Zacek: sax

Nightloosers (RO)
Laco Jimi: g, v
Hanno Hofer: g, voc, harmonica
Octavian Andriescu: b
Grunzo Geza: keyb.
Ovidiu Condrea: drums

Cosa Nostra Jassgang (NL)
Ace Caponetti: tp, voc
Slide Hopkinns: tb, voc
Enrico Claruso: cl
Joe Bananas: bjo
Whiskey (Plugsy) Malone: b
Fats Lavatore: washboard

Andreas Mayerhofer Quartett (A)
feat. Nicolas Simion (RO)
Andreas Mayerhofer: p
Michael Bruckner: g
Christian Wendt: b
Wolfgang Kendl: drums
Nicolas Simon: reeds

Milan Swoboda Quartet (CZ)
feat. Sigi Finkel (D)
Milan Swoboda: piano, keyb.
Michal Gera: tp, flügelhorn
Martin Lehki: b
Ivan Audes: drums

Soriba Kouyatè (Senegal)
Soriba Kouyatè: Kora
Moussa Diof: b
Sega Seck: drums, perc.
Thierry M'vie: keyb

01.05.2001
Kongress & Theater Haus, Bad Ischl

Dave Brubeck: piano
Bobby Militello: sax
Alec Dankworth: bass
Randy Jones: drums

Die ewige (Jazz) Jugend des Dave Brubeck

Die achzigjährige Jazzlegende bewies in Bad Ischl, das Musik ein Jungbrunnen ist

Auf der Bühne im gut besuchten Kongresshaus überwog an diesem Abend das graue Männerhaar. Über das Durchschnittsalter des Brubeck Quartetts schweigt man sich besser aus. Und der Vierer um den Piano Großmeister stellte in seinem mehr als 2stündigen Konzert klar, daß die Herren noch meilenweit von der sogenannten "Jazz - Geriatrie - Abteilung" entfernt sind. Brubeck blickt auf jeden Fall auf 60 Jahre Karriere zurück und bereits nach 2 Titeln wurde klar, warum der große alte Mann diese Bedeutung für den Jazz hat. Alter bedeutet zumindest im Fall von Brubeck Souveränität und vollkommene Sicherheit. Tausende Stunden Konzerterfahrung hört man bei jedem Pianoakkord heraus.
Vor allem bei den Balladen kommen große Gefühle beim Zuhörer auf. In der dabei eingesetzten Reduktion im Spiel kommt die wahre Größe des Brubeck heraus. Kein Takt zu viel, alles passt auf den Punkt. Der "Bösendorfer" erstrahlt akustisch wie selten. Die Piano - Akzente perlen wie weiße Edelsteine ins Publikum.
Und dazu diese Band. Vor allem Saxofonist Bobby Militello spielte ebenso stil- wie geschmackssicher durch die Klassiker des Dave Brubeck und agierte dabei stets phantasievoll. Derartig warmes Saxofonspiel hört man nicht zu oft im zeitgenössischen Jazz und seine luftigen Saxchorusse korrespondieren perfekt mit Brubecks Piano.
Die beiden Rhythmiker spielen makellos wie nicht anders zu erwarten von hochkarätigen Musikern. Die ganze Band schwelgt jazz - musikalisch über die bekannten Themen von Brubeck.
Die von Brubeck vorstellten Titel aus seiner gegen Ende des Jahres erscheinenden CD "The Crossing" sind ein Hinweis dafür, daß Brubeck durchaus noch große Pläne hat. Bei der akustischen Nachempfindung einer großen Jazz - Kreuzfahrt auf der Queen Elisabeth II von New York nach Southampton spürte man die große Kraft und den grenzenlosen Optimismus von Brubeck und seinen Leuten. In jeder Beziehung "volle Kraft voraus" für das Quartett. In den alten Motoren steckt noch sehr viel Kraft und Power und noch mehr Strahlkraft.
Das ganze Konzert endete mit dem unverzichtbaren "Take five" und mit "standing ovations" für Brubeck und die Band. Und noch etwas, für diese Leute ist der elegante Smoking die durchaus passende "Dienstkleidung".

Roland Holzwarth - Bad Ischler Rundschau; 10.05.2001

  • DaveBrubeck_RolandHolzwarth

10.03.2001
Weinhaus Attwenger, Bad Ischl

Wolfgang Puschnig: saxophon, flute
Aija-Riitta Holopainen: nordic voice
Harald Peterstorfer: guitars, frame drum
Martin Gasselsberger: keyboards
Ali Angerer: tuba, dulcimer
Reinhardt Winkler: drums

Nordische Kühle trifft auf emotionsgeladenen Jazz.

Das Ischler Weinhaus Attwenger war wieder einmal Schauplatz eines feinen Jazzabend mit der Gruppe "Out of blue".

Der Bandname ist ja wirklich kein Zufall. Der Verweis "Blue ..." ließ in der Tat sphärisches, lyrisches Klangmaterial erwarten. Und in der Tat zogen sich melancholische Songstrukturen sozusagen als "blauer Faden" durch den Abend. Steht doch "blue" für musikalische Weite, großflächige weite Musikelemente und für eine Annäherung an das Licht. Nicht ohne Grund nennt sich ein aktuelles "Sideproject" von Gitarrist und Komponist Harald Peterstorfer auch "Returns to the light". Und er bringt genau diese lyrischen Klangflächen, dieses leichte Schweben, die große Entspanntheit und die Annäherung an das Medidative als bestimmendes Element in das Bandkonzept von "Out of Blue" mit ein. Zu diesem Zweck hat er sich auch die Sängerin Aiija- Riita Holopainen (Achtung! Tippfehlergefahr!) in die Band geholt. Lange blonde Haare, rotes Samtkleid, zerbrechliche Stimme, sehr nordisch, sehr kühl. Finnisch eben - fast elfengleich. Diese Stimme könnte wirklich Licht in die langen nordischen Nächte bringen, aber die Wärme der Vocals von Holopainen war auch gut für die Stimmung im Attwenger. Federleichte Vibrations gehen von der Finnin mit der perfekten Deutsch aus, manchmal agiert sie allerdings vielleicht zu vorsichtig und zu reserviert. Und genau in diesen Momenten wird sie von den Herren Winkler, Gasselsberger, Peterstorfer, Angerer und Puschnigg fast an die Wand gespielt. Geht doch von der Band eine hohe Präsenz aus. Vor allem Puschnigg schafft mit seinem Saxophonspiel genial den Spagat zwischen der lyrischen Grundausrichtung und der doch erforderlichen jazzmusikalischen Dichte, die ein gutes Konzert ausmachen. "Out of Blue" hält ein Instrument zusammen, das so selten im Jazzkontext vorkommt und um so spannender von Ali Angerer gespielt wird. Jawohl, die Tuba! Die im "Flyer" angekündigte "mystic, nordic voice" war vielleicht doch etwas zu dich aufgetragen, dafür deutete die Band allerdings in einigen groovigen Passagen, welche Power die Routiniers um Puschnigg zu entwickeln in der Lage sind. An diesem Abend im Attwenger spielten sie in zweifacher Hinsicht die musikalischen "Wölfe im Schafspelz", aber das darf ja durchaus auch mal sein. "Out of Blue" kamen mir zeitweise vor wie eine Art "Jazz - Tragflächenboot", wenige Zentimeter über dem Boden, aber doch mit der notwendigen Anbindung an das Erdige, das ein gutes Jazzkonzert ausmacht.

Roland Holzwarth - Bad Ischler Rundschau 16.03.2001

  • Aija-RiittaHolopainen_OutOfBlue_RolandHolzwarth