Luciano Biondini & Javier Girotto "El Cacerolaza"

Weinhaus Attwenger - Bad Ischl
12.02.2004

Luciano Biondini: accordeon
Javier Girotto: reeds

BiondiniGirotto

Foto: Roland Holzwarth


"El Cacerolaza" - Musik für mediterrane Ohren

Luciano Biondini und Javier Girotto bringen bei ihrem Auftritt im Ischler Weinhaus Attwenger die Ohren zum "Glühen" und den Schnee zum Schmelzen.

Der Jazz im Allgemeinen hatte im Laufe der Jahrzehnte schon unzählige Duos erlebt und auch überlebt. Und gerade dennoch gibt es immer wieder gerade unter dem großen "Dach des Jazz" frappierende Überraschungen. Der Winter verstärkt erfahrungsgemäß die Sehnsucht nach dem Süden, daher war die Einladung der Jazzfreunde Bad Ischl an Biondini und Girotto vom Timing her ein sehr kluger Schachzug. Zumal man durch diese programmtechnische Raffinesse in den außerordentlichen Genuss eines kongenialen Duos kam. Man könnte auch sagen, die Schwermut des Tangos trifft auf die Leichtigkeit des europäischen Südens. Beide Musiker haben zwar italienisch klingende Namen, aber in Wahrheit trifft die Musiktradition Argentiniens in Person von Girotto auf die Melodienseligkeit des Italieners Biondini. Nonverbal plaudern die Beiden über alles Mögliche - die musikalische Botschaft "funktioniert" auch ganz ohne großes "Geplapper". "Blindes Verständnis" für einander führt zu einer fesselnden Melange aus Ekstase und vor allem Melancholie. Die Stimmungen des Dialoges pendeln zwischen leisem "Geplauder" und lauten, schon fast nervösen musikalischen Auseinandersetzungen. Der kleine musikalische Grenzverkehr und das Pendeln zwischen den Gegensätzen werden zu einer sehr spielerischen, schon fast komödiantischen Angelegenheit. Trotzdem überwiegt bei mancher Nummer die Ernsthaftigkeit und Seriosität des Jazz. So macht die musikalische Globalisierung Spaß und der Imperativ des Swing behält genauso seine Gültigkeit wie das Faktum, dass Kunst auch oft Vergnügen bereiten soll. So ganz nebenbei haben manche den schon langen Winter für 2 Stunden vergessen.

Roland Holzwarth - Bad Ischler Rundschau 18.02.2004