Cuong Vu & Scrath

Weinhaus Attwenger - Bad Ischl
30.10.2003

Cuong Vu: tp
Stomu Takeishi: e-b
Elliot Kavee: dms

CuongVu
Foto: Roland Holzwarth

Muskulöses Trompetenspiel von und mit Cuong Vu beim Attwenger

Der Trompeter aus den USA zeigt mit seinem Trio "Scratch" die weiten Horizonte des Instrumentes auf.

Und so ganz nebenbei hat er es im "ehrwürdigen" Attwenger mal so richtig knallen lassen. Während man in dieser gediegene Atmosphäre eher die weichen Töne in der Vergangenheit schätzen lernte, musste man am vergangenen Donnerstag schon fast zum Ohrschutz greifen, um dem Aufkommen eines Tinitus vorzubeugen. Und ich brauche meine Ohren noch, um auch in der Zukunft noch weiter so zukunftsweisendes Jazzspiel schätzen zu können. Noch vor 30 Jahren waren die USA und Vietnam unerbittliche Kriegsgegner. Heutzutage ist der in Vietnam geborene Cuong Vu der lebende Beweis, wie wichtig das Zusammenfließen der verschiedensten Kulturen wichtig ist. Lebt er doch mittlerweile seit Jahren in den USA und hat die amerikanische Jazzgeschichte und gleichzeitig die globalen Aspekte des Jazz mehr als Intus. Und er weiß in der Tat, wovon er spielt. Der junge Mann mit der großen Routine hat auf der Suche nach seiner "eigenen" Trompetenstimme so ziemlich viele Quellen und Einflüsse ausgereizt. Sein Quellenstudium reicht von der Dimension der Klassik bis zur ganzen Bandbreite der Elektronik. Er hat vollen Respekt für die Tradition und muss gleichzeitig neue Wege beschreiten. Das gibt ihm die Sicherheit, seine Trompete in der kraftvollen Art und Weise zu kolorieren. Die dunklen Töne stehen beim Konzert eher im Vordergrund. Cuong Vu spielt aber nicht nur Töne, er lässt elektronisch erzeugte Loops sich weiterentwickeln und umtänzelt gleichzeitig die daraus entstandenen Soundgebirge. Dabei hat er ins Attwenger kongeniale Partner mitgebracht. Stomu Takeishi und Elliot Kavee bereiten am Bass und an den Fellen die rhythmische Basis auf, die Cuong Vu für seine dunklen und lauten Trompetenexpeditionen so braucht. Genregrenzen kennt das Ensemble nicht. Häufig von Jazzern so akademisch pingelig gepflegte Abgrenzungen werden respektlos eingerissen. In all den eperimentierfreudigen Soundabenteuern verbirgt sich jedoch erstklassiges pulsierendes Musizieren. Auf meditatives Vorwärtsgleiten folgen unmittelbar Funk - Rock Beats von feinsten. Es hat phasenweise heftig gefunkt zwischen der gediegenen Holzverkleidung. Und der Funke sprang wie selbstverständlich auf das Publikum über. Langes Nachhallen der Musik inklusive.

Roland Holzwarth - Bad Ischler Rundschau 05.11.2003

Talentiertes Konzept mit Widersprüchen

Cuong Vus "Scratch" in Bad Ischl

Ein junges Talent aus der New Yor- ker Jazz-Werkstatt stellte sich am Donnerstag im Weinhaus Attwenger in Bad Ischl vor. Trompeter Cuong Vu macht in seinem Trio "Scratch" eine Musik einfacher Tonschritte meist lyrischen Inhalts. Punktgenau intoniert der Vietnamese sein virtuoses Spiel. Mit der Motorik maschineller Präzision, die sich zum brachialen Sturm steigern kann, begleiten ihn Stomu Takeishi (E-Bass) und Joe Tomio (Schlagzeug). Ein Konzept, das in seinen Widersprüchen verblüfft. PB

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