Klaus Ignatzek Trio

Weinhaus Attwenger, Bad Ischl
24.03.2000

Klaus Ignatzek: piano
Anca Parghel: vocals
Jean-Louis Rassinfosse: bass

AncaParghel 500
Foto: Roland Holzwarth

Große Jazz Stimme ganz ohne Oktavengrenzen

Frischer, jugendlicher Jazz von und mit dem Klaus Ignatzek Trio hatte eine außerordentliche Stimme als Kernpunkt, Anca Parghel.

Mittlerweile scheint ich eines immer mehr herauszubilden, trotz oder gerade wegen einem millionenschweren neuen Theater- und Kongresshaus, finden die unterschiedlichen Ischler Kulturinitiativen neue Heimstätten in ganz anderen räumlichen Umgebungen. Vielleicht haben sich die neu erstarkten Ischler Jazzfreunde an die alte Geschichte des Weinhauses Attwenger als ehemaliges Szenelokal in den 60iger Jahren rund um das einmalige Szenefaktotum „Bart Sepp“ erinnert.
Das damalige Weinhaus war berühmt berüchtigter Veranstaltungsort für Heurigen- und Wiener Lieder Musik. Sei’s drum, die dort dargebotene Musik ist mittlerweile ein ganz andere geworden, die Verspieltheit und der Charme des jetzigen Weinhauses ist erhalten geblieben. So hat sich diese „Location“ durchaus für weitere Jazzkonzerte empfohlen. Das Gastspiel des Ignatzek Trios rund um die rumänische Sängerin Anca Parghel paßte wie „angegossen“ in dieses Ambiente. In diesem kleinen Rahmen wurde die Musik des deutschen Ausnahmepianisten noch größer und hat tatsächlich an Dynamik gewonnen. Akustisch ist der Raum kaum zu übertreffen, die Stimmleistung von Parghel schien die Holzdecke fast zu heben, der Flügel strahlte wie selten harmonisch in den Raum.
Dagegen verblaßt manch millionenschwerer Konzertsaal mit elektronisch vermessener High – Tech Akustik. Unter dem Markenzeichen „Ignatzek Trio“ firmiert ein 3 Kulturen umfassendes Ensemble. Anna Parghel stammt aus Rumänien und reibt sich mit ihrem südländischen verbalen und vokalen Charme an der abendländischen Jazzspielart des Deutschen Ignatzek und des belgischen Hünen Jean – Louis Rossinfosse.
Herkunft und die Lebensgeschichte des Dreiers könnte unterschiedlicher nicht sein, die musikalische Destination ist die gleiche und steht wie ein Leuchtturm am Horizont: zeitgenössischer Jazz mit Vokalschwerpunkt und ganz, ganz großem Bezug zur Jazzgeschichte im Allgemeinen und der Tradition der großen Jazz – Divas im Besonderen.
Ignatzek kommt vom Hardbop und kennt und beherrscht damit die afroamerikanischen Quellen des Jazz. Er verneigt sich grundsätzlich vor den reichhaltigen Rhythmen der afro – lateinamerikanischen Jazzschule und läßt daher wie selbstverständlichen Latinelemente wie manche Bossa – oder Sambaspielerei einfließen. Dabei sucht er die Anbindung dieser Quellen an die Tradition der europäischen Klavierschule aus der Jazz- und Klassikecke.
Anca Parghel kommt aus dem klassischen Genre (Opernausbildung) und das merkt man ihrem Gesang in jeder Tonlage unbedingt an. In ihrem Fall kommt Gesangskunst wirklich von Können. Oktavengrenzen sind für sie eine große Unbekannte. Völlig losgelöst und unangestrengt führt sie die Zuhörer vom bluesigen Tiefgang bis zu den hingehauchten Liebeserklärungen an die hohen Stimmlagen der weiblichen Jazzvocals.
Sie hat natürlich all den großen Jazz – Divas studiert. Die historischen Platten von sagen wir einmal Ella Fitzgerald, Sarah Vaughan und Carmen McRae kennt sie vermutlich mehr als genau.
Auf den traditionsreichen Brettern des Attwenger entzündet die kleine, aber darum um so temperamentvolle Sängerin ein Feuerwerk in Sachen Jazz und verblüfft durch kaum fassbare Kehlkopf – Akrobatik. Daß mit der Dame nicht das Temperament durchgeht, dafür sorgt vor allem der belgische „Kleiderschrank“ Rossinfosse. So breit wie sein akustischer Bass hat der Mann aus Brüssel die Autorität und die bassmusikalische Spannkraft, um dem Ganzen das notwendige Rückgrat zu geben und ein Abheben der Parghel zu verhindern.

Roland Holzwarth, Salzkammergut Zeitung - 29.03.2000