Out of Blue

Weinhaus Attwenger, Bad Ischl
10.03.2001

Wolfgang Puschnig: saxophon, flute
Aija-Riitta Holopainen: nordic voice
Harald Peterstorfer: guitars, frame drum
Martin Gasselsberger: keyboards
Ali Angerer: tuba, dulcimer
Reinhardt Winkler: drums

OutOfBlue 300
Foto: Roland Holzwarth

Nordische Kühle trifft auf emotionsgeladenen Jazz.

Das Ischler Weinhaus Attwenger war wieder einmal Schauplatz eines feinen Jazzabend mit der Gruppe "Out of blue".

Der Bandname ist ja wirklich kein Zufall. Der Verweis "Blue ..." ließ in der Tat sphärisches, lyrisches Klangmaterial erwarten. Und in der Tat zogen sich melancholische Songstrukturen sozusagen als "blauer Faden" durch den Abend. Steht doch "blue" für musikalische Weite, großflächige weite Musikelemente und für eine Annäherung an das Licht. Nicht ohne Grund nennt sich ein aktuelles "Sideproject" von Gitarrist und Komponist Harald Peterstorfer auch "Returns to the light". Und er bringt genau diese lyrischen Klangflächen, dieses leichte Schweben, die große Entspanntheit und die Annäherung an das Medidative als bestimmendes Element in das Bandkonzept von "Out of Blue" mit ein. Zu diesem Zweck hat er sich auch die Sängerin Aiija- Riita Holopainen (Achtung! Tippfehlergefahr!) in die Band geholt. Lange blonde Haare, rotes Samtkleid, zerbrechliche Stimme, sehr nordisch, sehr kühl. Finnisch eben - fast elfengleich. Diese Stimme könnte wirklich Licht in die langen nordischen Nächte bringen, aber die Wärme der Vocals von Holopainen war auch gut für die Stimmung im Attwenger. Federleichte Vibrations gehen von der Finnin mit der perfekten Deutsch aus, manchmal agiert sie allerdings vielleicht zu vorsichtig und zu reserviert. Und genau in diesen Momenten wird sie von den Herren Winkler, Gasselsberger, Peterstorfer, Angerer und Puschnigg fast an die Wand gespielt. Geht doch von der Band eine hohe Präsenz aus. Vor allem Puschnigg schafft mit seinem Saxophonspiel genial den Spagat zwischen der lyrischen Grundausrichtung und der doch erforderlichen jazzmusikalischen Dichte, die ein gutes Konzert ausmachen. "Out of Blue" hält ein Instrument zusammen, das so selten im Jazzkontext vorkommt und um so spannender von Ali Angerer gespielt wird. Jawohl, die Tuba! Die im "Flyer" angekündigte "mystic, nordic voice" war vielleicht doch etwas zu dich aufgetragen, dafür deutete die Band allerdings in einigen groovigen Passagen, welche Power die Routiniers um Puschnigg zu entwickeln in der Lage sind. An diesem Abend im Attwenger spielten sie in zweifacher Hinsicht die musikalischen "Wölfe im Schafspelz", aber das darf ja durchaus auch mal sein. "Out of Blue" kamen mir zeitweise vor wie eine Art "Jazz - Tragflächenboot", wenige Zentimeter über dem Boden, aber doch mit der notwendigen Anbindung an das Erdige, das ein gutes Jazzkonzert ausmacht.

Roland Holzwarth - Bad Ischler Rundschau 16.03.2001