David Helbock´s Random/Control

Jugendzentrum YOUZ - Bad Ischl
30.01.2014

David Helbock: Piano, Electronics, Melodika,
Toypiano, Perkussion, Stimme, Komposition
Johannes Bär: Trompete, Flügelhorn,
Piccolotrompete,
Posaune, Baritonhorn, Tuba, Beatbox, Sousaphon,
Alphorn, Diggeridoo, Electronics, Perkussion
Andi Broger: Tenorsaxophon, Sopransaxophon,
Klarinette, Bassklarinette, Trompete, Flöte,
Electronics, Perkussion






Foto: Roland Holzwarth

Radikale Jazzerneuerung – Random Control im Ischler Youz

Fulminanter Jazz – Jahres – Auftakt der Ischler Jazzfreunde.

Mit der Einladung der österreichischen Jazzformation rund um Mastermind David Helbock ist den Jazzfreunden bereits jetzt ein „Konzert des Jahres“ gelungen.
Wie das? Man ermöglicht einfach jungen Könnern mit frechen, innovativen und vorurteilsfreien Ambitionen einen mutigen Jazzabend – und schon ist die Sache in „trockenen Tüchern“. Im Fall von Helbock und seinen compagneros Johannes Bär und Andi Broger kommt cool wirklich von Können.
Ihre außerordentlich große musikalische Solidität ermöglicht dem Trio eine mutige bis hemmungslos freche Herangehensweise an 2 Größen des Jazz. Wenngleich von sehr unterschiedlicher geografischer und musikalischer Provenienz, haben der afro-amerikanische Übervater des Jazz Thelonios Monk und der Brazil – Jazz Godfather und Hexenmeister Hermeto Pascoal sowohl durch ihren Lebensstil und Lebensweise als auch durch ihre musikalische Radikalität eine große Faszination für Helbock.
Aber auch deren Hingabe zur Musik beeindruckt Helbock und mit seinen Mitstreitern nähert er sich nicht nur mit multiinstrumentalem Farbenreichtum sondern vor allem auch mit frechen, mutigen, respektvollen und gleichzeitig sehr innovativen Möglichkeiten diesen Jazzklassikern an.
Es ist dies keine blinde „Heldenverehrung“, sondern vielmehr eine mit jungen, „rotzfrechen“ und vor allem innovativen Mitteln inszenierte musikalische Entdeckungsreise – die Mitreise in 2 Stunden allerfeinster Musik und vor allem das stimmungsmäßige „Mitgehen“ ist uns allen an diesem Abend mehr als leicht gefallen.
So muss Jazz im 2014er Jahr sein, der Tradition, dem instrumentellen Können und dem eigenen Mut verhaftet und dadurch ständig neue radikale musikalische Lösungen suchend….

meint
Roland Holzwarth, 6. Februar 2014

Monk und das Faschingströterl: Auftakt zum Jazzfreunde-Jahr

Im Jugendzentrum Youz konzertierten auf Einladung der Jazzfreunde "David Helbock's Random Control". Das Konzert markierte den Beginn eines Jazzfreunde-Jubiläums-Jahres für den Obmann sogar ein doppeltes.

"Ich bin heuer 20 geworden", verkündete Ober-Jazzfreund Emilian Tantana bei seinen Begrüßungsworten. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten steht er den Jazzfreunden vor, die ihrerseits heuer das 35-jährige Bestehen feiern. Bei den Konzerten im Youz suche man immer Musik, die zum Ambiente der Konzertbühnen-Räumlichkeit passt. Dies ist beim Jubiläums-Jahres-Auftakt einmal mehr gelungen. Das auf die Bühne gepackte Instrumentarium ließ den den Schluss zu, dass sich ein kleines Orchester auf die Youz-Bühne pferchen wird.
Tatsächlich stand dann dort ein Trio: "David Helbock's Random Control". Die jungen Vorarlberger (Bandleader Helbock war zwei Tage vor dem Ischl-Auftritt 30 geworden) hatten jedoch nicht umsonst derart aufmagaziniert: In manchen Momenten spielten die drei bis zu sechs Instrumente gleichzeitig - das konnte ein Saxophon ebenso sein wie eine Heineken-Flasche (oder Beat box-Tuba, Faschingströterl, mit Wasser gestimmte Bierflaschen, Luftballons usw.). Es war teils wirklich witzig, wie sich das Trio auf der Bühne gebarte, und dennoch war es weit weg von jedwedem Klamauk.
Auf zweifelsohne kauzige, ungewöhnliche, aber sehr hörenswerte Weise zogen David Helbock, Johannes Bär und Andreas Broger den Hut (oder in Helbocks Fall das Klaviertasten-Strickhauberl) vor Theolonius Monk und Hermeto Pascoal. Auf der "dazugehörigen" Tribut-CD "Think of Two" steuerte Hermeto Pascoal persönlich ein musikalisches Intro zur Helbock-Komposition "Para Hermeto" bei. "Im Vorarlberger David Helbock ist dem österreichischen Jazz eines der größten Talente der letzten Jahre erwachsen", schrieb Andreas Felber am 28. Jänner im "Standard". Recht hat er.

Manfred Madlberger - Ischler Woche, 5. Februar 2014