Erika Stucky "SPIDERGIRL"

Landesmusikschule, Bad Goisern
08.10.2015

Erika Stucky: voc, accord, film
Terry Edwards: sax, g, e-b, keyb, tp
Lucas Niggli: drums

Spidergirl

Spidergirl voc

Spidergirl d

Spidergirl acc

Spidergirl sax
Spidergirl tutti
Foto: Roland Holzwarth

PH           suisa

„Spider – woman“ aus Switzerland landet in Bad Goisern

Erika Stucky mit einem wunderbaren Event in der Landesmusikschule.

Das wirklich wunderbare Ambiente der LMS in Goisern wurde für 2 Stunden zum „Spielplatz“ für die Schweizer „Sängerin“, die sich an diesem Abend schon mehr als Spinne mit Arachno – vokal Aspekten präsentierte.

In ihren feinen und manchmal stabileren Netzen aus den Genres Rock und Jazz blieb an diesem Abend so mancher Zuhörer aber auch vor allem ihre faszinierenden musikalischen Begleiter „picken“.

Zu verführerisch und musikalisch verlockend waren die vokalen und instrumentellen „Fangnetze“ des fulminanten Dreiers aus CH und im Fall von Multiinstrumentalist Terry Edwards aus London. Stucky war und ist ja bekannt für ihre Neigungen zu Eruptionen, Surprises und ungewohnten Sounds und stimmlichen Exzessen. Ihr ganzes Jazz – Leben lang pendelte sie zwischen Älplerischem und wohldosierter und internationaler Urbanität.

Ihre künstlerischen und menschlichen Aspekte reichen, wenn man so will, von der Golden Gate Bridge bis an die „Goldküste“ des Zürichsees. Ihr musikalisches und vokales Design wird vom „american alpinism“ bestimmt und das macht in Kombination mit ihrer genrebefreiten Genialität ihre Präsenz und Ausstrahlung aus. Ihr an diesem Abend dargebotenen Spektrum reichte von viel bluesigem Reflektieren, über rockige Anstöße bis zu feinsinnigen Balladen – über allem schwebt so etwas – wie mal ein Kritiker meinte – der „swiss vodoo“.

Dazu kommen fulminante Begleiter – einmal der grandiose Multiinstrumentalist Terry Edwards – ein raffinierter Saiten - Maniac und der Mann mit dem vermutlich schönsten Saxophon der Welt – all silver!!

Drummer Lucas Niggli „kann“ einfach alles – von Bumarang Becken Arbeit bis zu intensivem percussivem Treiben. Alle verstehen sich „blind“ – das merkt man in jedem Akkord.

Alle 3 delektieren sich feinsinnig an grandios angelegten Kontrasten – bekannte Songs werden rudimentär seziert, um sie dann auf neue Art zusammenzusetzen. Und man erkennt sie kaum wieder.

Schöner Abend – viel Neues und manch Bekanntes: Manchmal ist das Salzkammergut wie ein „Spinnennetz“ – unergründlich und wie ein „provinzieller“ Urschlund. Manches verschwindet einfach wie in einem Mystery Thriller – das waren an diesem Abend die fehlenden BesucherInnen. Vielleicht war es einfach, wie Stucky meinte, die Arachnophobia.

Daran zweifelt
Mag. Roland Holzwarth


Das Spidergirl in Bad Goisern

Ein krönender Abschluss mit Erika Stucky rundete den diesjährigen Schwerpunkt Schweiz der Jazzfreunde Bad Ischl ab.
Das Konzert am 8. Oktober in der Landesmusikschule Bad Goisern war ein besonderer Abend für alle Liebhaber des Avantgarde Jazz. Die experimentierfreudige Americano-Schweizerin überraschte mit Songs, Bewegungen und Videoprojektionen aus ihrem neusten Programm „Spidergirl“. Stucky bot eine Musikwelt des Ungewöhnlichen, voller spannender Klänge und Geräusche: vom gespenstigen Lachen über das Kratzen des Mikrofons mit Fingernägeln bis zu mit vollem Hals gesungenen Rock-Songs, sodass das Publikum „heiße Ohren“ bekam. Dabei wirkte Stucky stets überzeugend und begeisterte mit der Reife einer etwas anderen Künstlerin, die alle Grenzen des Bekannten und des Traditionellen sprengte und sich mit ihrem wohl ein wenig schrägen Stil durchsetzte. An ihrer Seite waren zwei Best-Musiker: der Percussionist Lucas Niggliaus der Schweiz und der Multiinstrumentalist Terry Edwards aus London. Das Spidergirl Erika Stucky hielt knapp zwei Stunden das Publikum in ihrem Spinnennetz fest. Und zwar so, dass das Publikum aus dieser musikalisch-theatralischen Gefangenschaft gar nicht heraus wollte.

Mag. Yuliya Atzmanstorfer

Gespräch und Jodelworkshop mit Erika Stucky     icon media audio

Die Jazzfreunde Bad Ischl haben vergangene Woche die
Goiserer LMS als Schauplatz für das letzte Konzert der Reihe „Jazz aus
der Schweiz“ gewählt. Wer nicht da war hat „Spidergirl“ verpasst! Eine
starke, mutige Frau im immer noch männer-dominierten Musikbusiness, eine
peinliche Mutter, die es gut findet, peinlich zu sein, eine Frau die
viele Sprachen spricht, vor allem die Sprache der Musik!
Erika Stucky
die Sängerin, Akkordeonistin, Tubaspielerin und Musikkabarettistin mit
schweizer- und amerikanischen Wurzeln gab als männermordender Vamp mit
ihrem Trio ein Konzert -  und uns danach noch ein Interview samt
Kurzworkshop im Jodeln.

Erika Stucky´s „Spidergirl“ als multimediales Gesamtkunstwerk

Am Donnerstag gastierte auf Einladung der Jazzfreunde Bad Ischl Erika Stucky im akustisch hervorragenden Konzertsaal der Landesmusikschule Bad Goisern. Mit dabei Multi-Instrumentalist Terry Edwards, der tatsächlich schon mit Waits gearbeitet hat. Ihn fand sie bei einer Waits-Hommage. Neu rumpelt und poltert Lucas Niggli auf seinem Schlagzeug durch den Abend. Mit ihm – einer der vielseitigsten europäischen Schlagzeuger, arbeitet Erika Stucky schon seit vielen Jahren zusammen.

Zunächst scheint alles bekannt zu sein: Erika Stucky zeigt sich in ihrem Programm «Spidergirl», wie sie leibt und lebt und sich singend inszeniert. Sie bewegt sich spinnenhaft vor der Projektion einer Spinne und erzeugt dadurch gespenstische Schatten zum übergross abgebildeten Tier, während sie zu tribal-treibendem Schlagzeugspiel und wilden Saxofon-Ausbrüchen mit verfremdeter Stimme schreit.

Ihre Performance zischt mit unbändiger komödiantischer Lust durch ein virtuoses Wechselstaccato aus Amerikanisch und Schwyzerdütsch, durch Gesang und szenische Rezitation, durch Hohn und Spott – ein multimediales Gesamtkunstwerk.

Kompositionen aus Stuckys Feder, darunter neue Mafia-Songs, und dunkel gehaltenen Covers bekannter Stücke der Pop-Geschichte. Besonders letztere sorgen für ungläubiges Staunen und spontane Lacher. Stuckys absurde Coverversionen von Standards sind längst legendär. Sie nehmen Melodiefäden auf und spinnen sie so lange weiter, bis sie zum eigenständigen Genre mutieren.

Der «kleine englische Folk-Song», den sie als Zugabe ankündet, entpuppt sich als wild-überstürzende Version von «Helter Skelter», mit dem die Beatles 1968 den Heavy Metal vorwegnahmen.

Und wie Spinnen sich mit ihren behaarten Beinen überall festhalten, krallt sich auch Erika Stucky alias SPIDERGIRL beim Publikum fest – vor allem im Herzen!

Josef Gebetsroither - Neues Volksblatt, 10.10.2015

PH

suisa