"Two Generations of Jazz - Musikuniversitäten zu Gast" I: JIM Linz

PKS - Villa Rothstein

Bad Ischl
Do. 05.Mai 2011

Agnes Heginger: vocals, comp.
Peter Herbert: bass, comp.
Christoph Cech: piano, comp.

Alois Eberl: tb
Lukas Kletzander: piano
Lukas Kranzelbinder: bass
Peter Traunmüller: drums

AHC

Foto: Yuliya Atzmanstorfer

Ein stimmiger Konzertabend mit zwei Jazz-Generationen

Zwei Generationen des Jazz spielten auf Einladung der Jazzfreunde als Musik-Uni-Kooperation in der PKS-Villa Rothstein.

Im ersten Teil war die „arrivierte Generation“ zu hören: Agnes Heginger (was für eine Stimme), Peter Herbert (Bass) und Christoph Cech (Piano) brachten teils experimentelle, schräge Klangteppiche, die einen dennoch auf eine Art vereinnahmen und in die man sich hineinfallen lassen kann. Mitunter scheint es gar, als ob alle drei ein anderes Stück spielen und es dennoch harmoniert. Heginger ist eine extraordinäre Vokalistin: Mal haucht und summt sie zart, dann simuliert sie Helge Schneider-like die aussetzende Stimme, sie groovt, gackert, croont, grunzt, dagmarkollert und rührt an – wie in ihrem Stück „Avalon“, das Jazzfreunde-Obmann Emilian Tantana dem verstorbenen Heimo Hrovat widmete.
Die „junge Generation“ wurde durch Alois Eberl an der Posaune, Lukas Kletzander am Piano, Lukas Kranzelbinder am Bass sowie Peter Traunmüller am Schlagwerk repräsentiert. Das Quartett bot im zweiten Konzert-Teil nicht unbedingt leichtere, aber wohl etwas zugänglichere Kost und rundeten einen schönen, interessanten Jazz-Abend stilvoll ab. Eberls Posaune bot eine ähnliche Variationsbreite wie Hegingers Stimme im ersten Teil – von sanft wehend bis volltönend.

Manfred Madlberger: Ischler Woche - 18. Mai 2011

Die Bruckneruniversität zu Gast in Bad Ischl

Im Rahmen einer neuen Konzertreihe trafen sich Liebhaber des Jazz mit Dozenten und Studenten aus Linz. Mit „Two Generations of Jazz – Musikuniversitäten zu Gast in Bad Ischl“ möchte der Kulturverein auch jungen Jazzmusikern Bühnenauftritte ermöglichen. Die heurigen zwei Generationen luden die „Jazzfreunde“ Bad Ischl in die PKS-Villa Rothstein ein.
Begonnen hat das „Heginger - Herbert - Cech – Trio“ mit einem sehr frei gebauten, kontrastreichen Stück von Christoph Cech (Klavier) – „Springlink“. Dann wechselte die Stimmung. Das zweite Stück „Wie eine Dachtraufe“ klang so, als hätte es fast etwas Intimes hier gegeben. Hat der Komponist und Bassist Peter Herbert an eine Geliebte gedacht? Das Gesprochene oder schauspielerisch Artikulierte von Agnes Heginger (Vokal) kontrastierte zu unglaublichsten Spielarten am Kontrabass. Streicher können auf die Notation gespannt sein. War der Kontrabass ein Streichinstrument oder etwa ein Instrument zum Streicheln, Klopfen, Berühren und Fühlen? Denn nur ein Zupfinstrument, so wie man den Kontrabass im Jazz kennt, war es schon lange nicht mehr. Neue Dimensionen des Angreifens aller Korpus- und Griffteile brachten untypische Klänge und merkwürdige Geräusche mit sich. Aber auch lyrische und singreife Melodien im Klavier und am Kontrabass fehlten nicht. Einfach zum Bewundern. Ein moderner, experimenteller Jazz der Sonderklasse. Den Höhepunkt des Abends erzielte Agnes Heginger mit der eigenen Komposition „Avalon“, das einzige gesungene Stück am 5. Mai. Ein introvertiertes und philosophisches Gefühl dominierte hier, trotz Trauer im Inhalt. Kann der Tod so hell und süßlich-friedlich sein? In Hegingers außergewöhnlicher Stimme schon! Es folgten noch zwei Stücke: „Oktoberschatten“ von Christoph Cech und „Kurzwurz“ von Agnes Heginger. So wie der Name „Kurzwurz“, war auch der Charakter des letzten Stückes von Leichtigkeit und Schalkhaftigkeit geprägt.

Den Studenten Alois Eberl (Posaune), Lukas Kletzander (Klavier), Lukas Kranzelbinder (Kontrabass) und Peter Traunmüller (Schlagzeug) ist ein perfekter Auftritt auf der Bühne der „Jazzfreunde“ in Bad Ischl gelungen. Sechs kontrastvolle Stücke, mal klassisch jazzig, mal nicht traditionell, bildeten das Programm des Quartettes. Eine Zugabe rundete den Konzertabend ab. „In Fis! Deswegen spielen wir das Stück so ungerne!“, so Lukas Kletzander. Na bitte! Solche jungen Profis dürfen sechs Kreuzvorzeichen doch nicht fürchten!

Yuliya Atzmanstorfer, 23. Mai 2011