MauSi + Jack Walrath

PKS - Villa Rothstein

Bad Ischl
Do. 24. März 2011

Primus Sitter: guitar
Christian Maurer: sax
Marc Abrams: bass
Herbert Pirker: drums
Jack Walrath: trumpet


MauSi

MauSi t

MauSi sMauSi b

MauSi g

Fotos: Roland Holzwarth

Der Titel heiligt keineswegs die Mittel!

Der feine Jazz der Band MauSi war weit besser als der sehr verfängliche Titel erwarten ließ.

Klar gibt es in der Wien – Stadt Celebrities mit so ähnlichen Namen. Aber im Fall von der gleichnamigen Jazzcombo aus Oberösterreich ist die Musik weit besser und griffiger als der mißverständliche Bandname erwarten ließ. Dieser kommt vielmehr aus einem Wortspiel der beiden Hauptakteure Primus Sitter und Christian Maurer – nach kurzem Nachdenken wird alles klar.
Bei Mausi geht wahrlich die „Jazz- Post“ ab. Der junge Drummer Herbert Pirker treibt die Combo äußerst gekonnt und variantenreich durch die Welt des groovy Jazz. Der Mann an den Fellen ist sowohl mehr als talentiert als auch keineswegs übungsscheu. So klingt ein Jazzschlagzeug von internationalem Format. Apropos Internationalität: Diese wird noch deutlich verstärkt durch das freundschaftliche Engagement eines ganz Großen der weltumspannenden Jazzlandschaft. Dieser Mann heißt Jack Walrath und hat vermutlich die Erfahrung von hunderten Konzerten im Blut. In seiner Heimat, den USA, ein Großer der Jazzgeschichte seit den 70igern und durchaus stilbildend mit seinem wunderbaren Trompetenspiel. Die Erfahrung und das außerordentliche Können machen selbstsicher und daraus kommt die Bereitschaft, seine Compagneros durchaus auf gleicher Ebene der musikalischen Emanzipation zu Wort oder besser zum Ton kommen zu lassen. Unter seiner Obhut wachsen Maurer am Saxophon und vor allem der Gitarrist Primus Sitter über sich hinaus. Bei Sitter gilt übrigens „Nomen est omen“ – ein Gitarrenprimus wie man ihn nicht so oft in unserer Gegend hört. Feine Töne und gleich nach einigen Akkorden eine Powergitarre, dass es gerade so kracht. Meiner Meinung hört man dieses sensationelle Instrument viel zu selten. Bassist Marc Abrams beherrscht seinen Stehbaß bis ins letzte rhythmische Detail und führt gemeinsam mit Pirker durch Latin angehauchtes Songmaterial bis zu vielen Standards des Modern Jazz.

Roland Holzwarth - 26. März 2011

MauSi tu

Foto: Yuliya Atzmanstorfer

Resonanz und Rhythmus

Dass PKS Pythagoras Kepler System bedeutet, erfährt man später. Zuerst muss man die Villa finden. Und das ist gar nicht so einfach. Ein Schotterweg führt zum beleuchteten Turm. Irgendwo im Nirgendwo zwischen Lauffen und Bad Ischl streckt sich aus dem Wald die PKS Villa Rothstein. Hier ist die Physik zu Hause. Das sieht man. Die Villa ist ein Labor des Lebens und der naturwissenschaftlichen Erfolge ganzer drei Generationen Physiker. Soweit, so gut. Nun was haben die Ischler „Jazzfreunde“ mit Familie Schauberger zu tun? Sie lieben diese Villa und veranstalten gerne ihre Konzerte im Keplersaal. „Hier ist die Akustik schön“, sagen sie. Da die Villa nicht beheizt wird, beginnen hier die Veranstaltungen erst in der wärmeren Zeit.
Heuer waren MAUSI, von MAurer und SItter die Frühlingsboten auf der privaten Jazzbühne der PKS Villa. Der spezielle Gast des Abends, Jack Walrath spielt mit der Band seit über zehn Jahren. Primus Sitter (Gitarre), Christian Maurer (Saxofon), Marc Abrams (Kontrabass), Herbert Pirker (Schlagzeug) und Jack Walrath (Trompete) präsentierten zwölf eigene Kompositionen am 24. März in der PKS Villa Rothstein.
Die „Liadl“, wie Christian Maurer die Stücke immer nannte, waren bunt gemischt. Die Namen der Komponisten Walrath, Sitter, Maurer und Abrams wechselten bei jedem Stück. Und auch die Stimmung wechselte: von den lyrischen Melodien der Trompete in „Dunkler Sepp“ und „That`s Dad“, über die expressiven Soli in „Buying“ oder den Bluesrhythmus in „Spiritus mundi“ bis zu den rauen, bizarren Tönen des Saxofons in „Elefteria“. In „Elefteria“, in Übersetzung aus dem Griechischen Friede, baute Maurer sein Saxofon ab. Mit schauspielerischer Reife erzeugte er solche Töne, als würde man über die Grenzen des Instrumentes gehen wollen. Überall sind die virtuosen Trompeten- und Saxofonsoli aufgefallen. Auch Gitarre, Bass und Schlagzeug - geschlagen wurde auch auf einem Notenständer - überzeugten mit meisterhaftem Können. „Resonanz und Rhythmus“, eine der mehreren Wandbeschriftungen im Keplersaal – „das hat auch unser Perkussionist Herbert Pirker erkannt“, so Maurer. Zwei Zugaben: „Umatschaka“ und „California“ rundeten den Jazzabend ab.

Yuliya Atzmanstorfer, 26. März 2011