03.12.1981
Kurhaus - Theatersaal, Bad Ischl
Art Farmer: tp, flh (USA)
Harry Sokal: ts, ss (A)
Fritz Pauer: p (A)
Jeff Wohlgenannt: b (A)
Joris Dudli: drums (A)
Vollmundiger Bebop
Hinreißender Auftritt des Art Farmer-Quintetts in Bad Ischl
Der Bebop ist lebendiger als je zuvor, diese Gewißheit tritt auf, wenn man den aus den USA stammenden Startrompeter und jetztigen Wahl-Wiener Art Farmer spielen hört. Die Gelegenheit dazu schufen am Donnerstag vergangener Woche die Jazzfreunde Bad Ischl. Der Auftritt des Meisters, wie ihn seine vier deutschsprachigen Badkollegen titulierten, wurde zu einem vollmundigen Jazzerlebnis.
Schon die Instrumentierung des Quartetts ensprach jener der klasischen Bebop-Combo: Art Farmer spielte Flügelhorn, Harry Sokal Tenosaxophon, Fritz Pauer Klavier, Joris Dudli am Schlagzeug und Jeff Wohlgenannt am Baß sorgten sich um die rhythmische Grundlage.
Farmer, der zuletzt mit großem Erfolg in Velden auftrat und im November in Italien tourte, gilt als der große Lyriker auf Trompete und Flügelhorn. Weit ausholend bläst er an, weich und geschmeidig sind sein Timin und sein Ton. Sein Einfallsreichtum und seine Fähigkeit, Stimmungen zu verdichten, lassen Spannung, Nachdruck und verspielte Gelöstheit wie von selbst entstehen. Farmer und auch der zur Zeit avanciertende Wiener Saxophonist H. Sokal bewegen sich sicher in einem trotz der strengen rhythmischen Grenzen, die der Stil mit sich bringt, ungemein großen Freiraum.
Sokal muß auch nicht explodieren, überblasen oder extrem freie Passagen einbringen, um mitzureißen. Er tut es galant, ohne viel äußere Regungen, dafür aber ein Gefühl, das sofort vermittelt, daß er sich die Tradition von Charlie Parker bis John Coltrane zu eigen gemacht hat.
In den eigenkompositionen verschiedener Bandmitglieder, in Pauers "Irokese Patterns", Sokals "For Two" oder dem fetzigen "Farmers Market" des Bandleaders und in den gebotenen Jazzklassikern von Duke Ellington, Theolonius Monk, Sonny Rollins und Charlie Parker waren die beiden Blechbläser der dominierende Teil des Ensembles.
Fritz Pauer entfaltete seinen Einfallsreichtum erst richtig im zweiten Teil des Abends. Von seinen lyrischen Fähigkeiten konnt man sich überzeugen, als er im Duo mit Farmer Duke Ellingtons "Sentimental Mood" oder Monks berühmte Ballade "Round Midnight" interpretierte. manche hätten sich vielleicht mehr solche langsamen, liedhaften Nummern gewünscht. Trotzdem war das Programm bunt, die Stücke in ihrem Aufbau vielfältig.
Den relativ jungen Musikern am Baß uns am Schalgzeug fehlen offensichtlich die jahre, um solistisch zu bestechen und deutlicher hervorzutreten. Trotzdem, ihre Funktion als Rhythmusgruppe erfüllten sie bis auf einige kleine Holprigkeiten äußerst solide, variationsreich und mit viel Spaß an der Sache.
Guter Jazz ist zeitlos und im Vergleich zur U-Musik kaum der Mode unterworfen. Galt der Bebop während seines Entstehens in den vierziger Jahren den Verfechtern des Swing als Ketzerei, so gilt er heute als klassischer, aber keineswegs antiquirter Stil, der die Jugend noch immer begeistern kann. Daß er es kann, ist in erster Linie Verdienst von Musikerpersönlichkeiten, wie der eines Art Farmer.
Josef Aigner - Salzkammergut-Zeitung, 10.12.1981
Art-Farmer-Quintett in Bad Ischl
Ein besonderes Erlebnis für Jazz-Fans: Das Art-Farmer-Konzert im Ischler Kongreßsaal
Über die Einladung der Jazzfreunde Bad Ischl gastierte am Donnerstag, 3.12. einer der gefragtesten Jazzmusiker an Trompete und Flügelhorn im Kurhaus Bad Ischl: Art Farmer.
Kritiker attestieren ihm die "lyrische Intensität von Miles Davies". Der Musiker selbst sieht das Geheimnis seines ausdrucksstarken, eigenständigen Spiels darin, daß er es müde ist, große Vorbilder zu imitieren und eigene Vorstellungen entwickelt.
Art Farmer, der sechs Monate im Jahr auf Tournee in den USA oder Japan wilt (bis vor wenigen Tage war die Band auf Italientournee) tankte dazwischen in Wien für neue Taten.
Seine Musikerkollegen: Harry Sokal (Saxophon), Fritz Pauer (Piano), Jeff Wohlgenannt (Baß), Joe Dudli (Schlagzeug).
Art Farmer sagt über dieser Musiker: "Sie sind um nichts schwächer, als meine Begleiter in den USA." Die seltene Gelegenheit, Musiker, die man sonst nur bei Festivals antrifft, in Bad Ischl zu hören, war vielen Musikfreunden Anlaß zum "Hingehen und Anhören"...
Wochen Rundschau, 10.12.1981










