19.05.1995
Kurhaus - Bad Ischl


Maria Joao: vocals (P)
Mario Laginha: piano (P)

Lieder aus Portugal
Maria Joao ist Jazzsängerin und Portugiesin. Beides verbindet sie zu einem individuellen Persönlichkeitsbild und ersang sich damit internationale Reputation. Am Freitag gab sie auf Einladung der Jazzfreunde Bad Ischl im Kurhaus einen eindrucksvollen und heftig umjubelten Liederabend.
Joao kennt man von Kooperationen mit namhaften internationalen Jazzmusikern. In ihrem aktuellen Tourneeprogramm aber bringt sie Volkslieder und Chansons aus ihrem Kulturkreis. Mit ihrer Jazzerfahrung moduliert sie ihre Stimme zwischen tiefsten Lagen und schreiendem Diskant, zwischen Silbengesang und hauchtönen. Unvermittelt wechselt sie vom vorgegebenen Notenbild zur Improvisation. Mit zierlichen Gesten von kindlicher Anmut unterstreicht Maria Joao ihr Singen.
CHRIS THOMMARK - KRONENZEITUNG - 25. MAI 1995
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Wenn die Stimme Saltos schlägt
Maria Joao entpuppte sich bei den „Jazzfreunden“ mit ihren „Songs from Portugal“ als Stimmakrobatin ersten Ranges
Trotz der intimen Besetzung - Mario Langinha als Begleiter am Piano – war am Freitagabend im Ischler Kurhaus nichts ferner als Kammermusik. Maria Joao und Mario Langinha begannen ihr Programm leise und unaufdringlich und bauten so langsam, aber stetig Spannung auf, die sich gegen Ende des achtzigminütigen Sets in tosendem Applaus des vielköpfigen Publikums im kleinen Saal entlud.
Südeuropäische Weltmusik
Die musikalische Botschafterin Portugals (als solche schon bei der Eröffnung der Olympischen Spiele in Barcelona), die seit kurzem bei „Verve“, dem Jazzlabel schlechthin, unter Vertrag steht, überzeugte sowohl durch ihre stimmlichen Fähigkeiten als auch durch die Emotionalität ihres Gesangs. Ihre Stücke sind weit mehr als bloße „Lieder aus Portugal“. Klassischer Jazz, Latin und afrikanische Folklore finden ebenso Eingang in ihr Musikverständnis wie menschliche Stimmen und Alltagsgeräusche. Innerhalb von Augenblicken wandelten sich die Stimmungen; Joao ließ die Stimme manchmal in der Stratosphäre schweben, um dann ein bewegtes Streitgespräch zu imitieren oder sich in rasende Kadenzen zu stürzen. Mario Langinha begleitete einfühlsam und ökonomisch und stellte in Solopassagen sein instrumentales Können auf dem Flügel unter Beweis.
Schritt über die Grenze
Das Duo verhalf an diesem Abend der Musik zu ihrem Recht: Es bewegte, erstaunte, begeisterte und überschritt dabei ohne jede Selbstverliebtheit so manche musikalische Grenze. Einen Höhepunkt erreichte die Stimmung, als Joao die Bühne verließ und auf im Publikum eingeholte Geräusche (Atmen, Töne, Räuspern) reagierte und sie als Material für Improvisationen verwendete. Nach dem Ende des regulären Sets erklatschte sich das Publikum etliche zugaben. Musik kann glücklich machen.
A.SAVEL - BISZ. - 25. MAI 1995

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